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Die 80/20-Regel beim Aufräumen: So nutzt du sie für mehr Ordnung

Der Kleiderschrank ist voll, und trotzdem greifst du jeden Tag zur selben Jeans. In der Schublade liegen zwölf Kochlöffel, benutzt werden zwei. Kommt dir bekannt vor? Dann steckst du mitten in der 80/20-Regel.

1. Was ist die 80/20-Regel?

Die 80/20-Regel heißt auch Pareto-Prinzip. Der italienische Ökonom Vilfredo Pareto hat vor über 100 Jahren festgestellt, dass in Italien rund 80 % des Landes etwa 20 % der Bevölkerung gehörten. Bekannt gemacht hat das Prinzip aber erst der Qualitätsmanager Joseph Juran. Er beobachtete, dass auch in Fabriken ein kleiner Teil der Ursachen für den Großteil der Fehler verantwortlich war.

Seitdem gilt die Regel als Faustformel: Ein kleiner Teil bewirkt den größten Teil. Die Zahlen sind dabei nicht exakt zu nehmen. Mal sind es 70 zu 30, mal 90 zu 10. Wichtig ist das Prinzip dahinter.

Und das passt erstaunlich gut zu unserem Zuhause.

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2. So zeigt sich die 80/20-Regel bei dir zu Hause

Im Kleiderschrank

Der Lieblingspulli ist ständig in der Wäsche, die drei Blusen daneben hängen seit Monaten unberührt. Dazu kommen die Hose, die „wieder passt, wenn ich ein paar Kilo weniger habe“, das Kleid für eine Hochzeit vor sechs Jahren und das Teil mit Etikett, das im Laden so toll aussah. Am Ende trägst du immer wieder dieselben Lieblinge und hast trotzdem das Gefühl, nichts zum Anziehen zu haben.

In der Küche

Du kochst mit einer Pfanne, zwei Töpfen und dem einen guten Messer. Der Wok und der Spiralschneider wohnen im Schrank. (Mehr dazu in meinem Artikel Küche aufräumen.)

Im Bad

Shampoo, Duschgel, Zahnpasta, eine Creme: Das ist der Alltag. Dahinter stehen die Probiergrößen aus dem Hotel, der Lidschatten in einer Farbe, die du nie trägst, und drei angebrochene Bodylotions, weil jede nicht ganz richtig war.

Bei Schuhen und Taschen

Zwei Paar Schuhe im Alltag, eins für gut. Im Regal stehen zwölf. Bei Handtaschen ist es ähnlich. Meistens gibt es eine, in der eh schon alles drin ist, und deshalb bleibt man bei der.

Auf dem Handy

Es geht sogar digital: Du nutzt eine Handvoll Apps jeden Tag, die anderen 60 nehmen nur Speicherplatz weg. In der Galerie sind 8.000 Fotos, angesehen werden immer wieder dieselben.

Das heißt nicht, dass die anderen 80 % alle wegmüssen. Es heißt nur: Vieles von dem, was deine Schränke voll macht, brauchst du im Alltag gar nicht.

Was landet bei dir immer wieder in der Wäsche? Das sind deine 20 % Kleidung, die du zu 80 % der Zeit trägst.

3. Warum wir die anderen 80 % trotzdem behalten

Mit fehlender Disziplin hat das nichts zu tun. Für die meisten Dinge gibt es einen guten Grund, warum sie noch da sind:

  • „Das kann man noch brauchen.“ Stimmt sogar, irgendwann vielleicht. Nur kommt dieses Irgendwann selten.
  • „Das war teuer.“ Das Geld ist aber schon ausgegeben, egal ob das Teil im Schrank liegt oder nicht.
  • „Das hab ich geschenkt bekommen.“ Ein Geschenk hat seinen Zweck erfüllt, als es überreicht wurde. Du musst es nicht für immer aufbewahren.
  • „Das passt bestimmt bald wieder.“ Kleidung für ein früheres oder zukünftiges Ich nimmt dem heutigen Ich Platz weg.
  • „Daran hängen Erinnerungen.“ Das ist der schwierigste Fall. Mehr dazu unten.

4. So nutzt du die 80/20-Regel beim Aufräumen

Fang mit deinen Lieblingen an

Die meisten fangen beim Ausmisten mit der Frage an: Was kann weg? Dreh es um. Hol zuerst die Sachen raus, die du wirklich benutzt und gerne magst. Das sind deine 20 %. Der Rest ist dann viel leichter zu beurteilen, weil du direkt siehst: Das hier brauche ich eigentlich gar nicht.

Der Kleiderbügel-Trick

Häng alle Kleiderbügel verkehrt herum auf. Wenn du ein Teil getragen und gewaschen hast, kommt es richtig herum zurück. Nach ein paar Monaten siehst du auf einen Blick, was du wirklich trägst. Das geht übrigens auch in der Küche: Kleb einen Punkt auf Töpfe und Geräte, die du benutzt.

Die Vielleicht-Kiste

Für alles, bei dem du dir unsicher bist: Pack es in eine Kiste, schreib das Datum drauf und stell sie in den Keller oder auf den Dachboden. Hast du in einem halben Jahr nichts davon vermisst? Dann kann die Kiste gehen, am besten ungeöffnet.

Die 20 % bekommen die besten Plätze

Was du ständig benutzt, gehört dahin, wo du es ohne Bücken und Strecken erreichst. Also nicht der Wok vorne und die Lieblingspfanne hinten. Die seltenen Sachen dürfen nach oben, nach unten oder ganz nach hinten.

Räum zuerst die Ecken auf, die das meiste Chaos machen

Die 80/20-Regel funktioniert auch bei den Flächen. Oft sind es ein paar wenige Stellen, die die ganze Wohnung unordentlich wirken lassen: der Esstisch, die Arbeitsfläche in der Küche, die Kommode im Flur, der Stuhl im Schlafzimmer. Wenn du nur diese Stellen freiräumst, fühlt sich die Wohnung schon viel ordentlicher an, obwohl du nur einen kleinen Teil aufgeräumt hast.

80 % Ordnung reichen

Das ist vielleicht der wichtigste Punkt: Die letzten 20 % bis zur perfekten Ordnung kosten oft genauso viel Zeit und Nerven wie die ersten 80 %. Die Schublade muss nicht nach Farben sortiert sein. Es reicht, wenn du findest, was du suchst. Ordnung darf sein, Perfektion muss draußen bleiben.

5. Wann die 80/20-Regel nicht passt

Joseph Juran hat später selbst betont, dass die übrigen 80 % nicht wertlos sind. Und das gilt auch für dein Zuhause. Manche Dinge benutzt du selten, und trotzdem gehören sie nicht weg:

  • Saisonsachen: Die Winterjacke, die Weihnachtsdeko, das Planschbecken.
  • Für den Notfall: Der Verbandskasten, die Taschenlampe, das Werkzeug.
  • Für besondere Anlässe: Das Raclette für Silvester, das Kleid für Feiern, die Gästebettwäsche.
  • Erinnerungsstücke: Die Briefe der Mutter, das Kuscheltier aus deiner Kindheit, das Sonntagsservice der Oma.

Bei den ersten drei hilft die Frage: Würde ich es vermissen, wenn es fehlt? Wenn ja, darf es bleiben, nur eben nicht auf dem besten Platz.

Bei Erinnerungsstücken ist die 80/20-Regel das falsche Werkzeug. Hier geht es nicht um Nutzen, sondern um Gefühle. Was beim Loslassen in uns passiert und warum es manchmal so schwerfällt, liest du in meinem Artikel Ausmisten für die Seele.

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Über die Autorin

Janina Soufi Siavash

Janina Soufi Siavash ist zertifizierte Ordnungscoachin (CFPO) und hilft Menschen dabei, in ihrem Zuhause eine Grundordnung zu schaffen. Dabei geht es nicht um Perfektion, sondern darum, durch Ordnung Entlastung im Alltag zu finden und sich in den eigenen vier Wänden wohl zu fühlen.