Ausmisten für die Seele: Was beim Loslassen passiert
Der Kofferraum ist voll mit Spendentüten, du fährst los, der Kofferraum ist leer – und auf der Rückfahrt fühlst du dich, als hättest du gerade eine Zentnerlast abgeworfen. Diese Leichtigkeit ist real. Und sie hat einen Namen.

Was in deinem Kopf passiert, wenn du loslässt
Alles, was in deiner Wohnung rumsteht und eigentlich weg soll, ist für dein Gehirn ein kleiner offener Punkt auf einer nie endenden Liste. Die Kiste im Keller, die du „irgendwann mal durchsehen“ wolltest. Die drei Handtaschen, die du nie benutzt, aber auch nicht wegbringst. Der Pullover mit Loch, das du seit sechs Monaten stopfen willst. Jedes einzelne Ding funkt leise im Hintergrund mit: Ich bin noch nicht erledigt.
Und genau deshalb fühlt sich Wegtragen so anders an als Umsortieren. Wenn du etwas nur von A nach B räumst, bleibt der offene Punkt bestehen – er hat nur eine neue Adresse. Wenn du es aber wirklich weggibst, verkaufst oder spendest, ist der Punkt für immer von der Liste. Kein Wunder, dass sich das nach echter Erleichterung anfühlt.
Was die Forschung dazu sagt
Auch die Wissenschaft hat sich mittlerweile mit der Frage beschäftigt, was bewusstes Loslassen mit dem Wohlbefinden macht. Die aussagekräftigste Untersuchung dazu stammt von Kasey Lloyd und William Pennington aus dem Jahr 2020, veröffentlicht im International Journal of Applied Positive Psychology. Die beiden haben zehn Menschen, die bewusst mit wenig Besitz leben, ausführlich zu ihren Erfahrungen befragt.
Das Ergebnis: Alle Befragten berichteten von deutlichen positiven Effekten. Die Forschenden fassten sie in fünf Bereichen zusammen: mehr Selbstbestimmung, das Gefühl, das eigene Leben tatsächlich im Griff zu haben, mehr gedanklicher Freiraum, ein bewussteres Erleben des Alltags und insgesamt mehr positive Gefühle. Mehrere Teilnehmende beschrieben, dass sie sich vor dem Ausmisten regelrecht eingeengt oder beschwert von ihrem Besitz gefühlt hatten – das Loslassen hat diesen Druck sichtbar genommen.
Bewusstes Loslassen
Wichtig dabei: Dieser Effekt zeigte sich vor allem dann, wenn Menschen sich freiwillig und bewusst von Dingen getrennt haben – nicht, wenn sie durch äußere Umstände (zum Beispiel wenig Geld) einfach wenig besitzen. Es geht also nicht ums Verzichten an sich, sondern um die bewusste Entscheidung.

Es geht nicht um Minimalismus
Eine Sache ist mir an dieser Stelle wichtig: Bei alldem geht es nicht darum, dass du jetzt in leeren, weißen Räumen leben sollst wie aus einem Einrichtungsmagazin. Das ist nicht das Ziel – und ehrlich gesagt auch nicht meins. Es geht nicht darum, möglichst wenig zu besitzen, um irgendein Ideal zu erfüllen. Es geht darum, dich von dem zu befreien, was dich belastet, ohne dir noch mehr Wert zu bringen. Der Rest darf bleiben, so viel oder wenig das auch ist. Ausmisten ist kein Wettbewerb um die leerste Wohnung – sondern einfach ein Weg, dir wieder ein bisschen Luft zu verschaffen.
Der Nebeneffekt: Geben fühlt sich gut an
Interessant ist auch, was passiert, wenn die aussortierten Sachen nicht im Müll landen, sondern jemand anderem eine Freude machen. Das Weggeben selbst scheint einen eigenen kleinen Wohlfühl-Effekt zu haben – Geben löst bei vielen Menschen ein gutes Gefühl aus, unabhängig davon, was genau gegeben wird.
Kleiner Tipp zwischendurch
Falls dir der Abschied von einzelnen Sachen schwerfällt, weil eine schöne Erinnerung dranhängt: Ein einfacher Trick aus der Forschung ist, das Ding vorher zu fotografieren. Die Erinnerung bleibt im Bild erhalten, der Gegenstand selbst darf trotzdem gehen. Klingt banal, hilft aber vielen tatsächlich.


Mein Angebot
Ich helfe dir zu entscheiden.
Du merkst, dass dich das Chaos zuhause zunehmend belastet, weißt aber nicht, wo du anfangen sollst? Im 1:1 Ordnungscoaching – vor Ort im Raum Köln oder online – finden wir gemeinsam eine Ordnung, die zu deinem Alltag passt. Wir schauen uns an, was dich hindert auszumisten und verschaffen dir neue Blickwinkel.
Lerne mich unverbindlich kennen. Schreib mir einfach.
WEITERLESEN
Spielzeug ausmisten: Warum der November der beste Monat dafür ist
Kurz vor Beginn der Weihnachtszeit – das ist der beste Zeitpunkt, um Spielsachen auszumisten!
Was Unordnung mit deiner Psyche macht
Du kommst nach Hause, siehst den Geschirrberg in Küche, die Kartons im Flur, das Chaos im Wohnzimmer…
Zeitmanagement: Methoden, Impulse und wie du es lernst
Kann man Zeit managen? Nicht wirklich. Jeder Tag hat 24 Stunden. Aber wir können uns selbst managen …
Über die Autorin
Janina Soufi Siavash
Janina Soufi Siavash ist zertifizierte Ordnungscoachin (CFPO) und hilft Menschen dabei, in ihrem Zuhause eine Grundordnung zu schaffen. Dabei geht es nicht um Perfektion, sondern darum, durch Ordnung Entlastung im Alltag zu finden und sich in den eigenen vier Wänden wohl zu fühlen.


