Ausmisten im Sommer: Warum jetzt der beste Zeitpunkt ist
Die Sonne scheint, der Balkon ruft, abends geht’s noch auf ein Eis raus. Wer denkt da schon an den Kleiderschrank oder den Keller? Ausmisten im Sommer klingt erstmal nach der denkbar schlechtesten Idee. Ich behaupte: Es ist genau umgekehrt.

Im Sommer sieht man über die eigene Unordnung leichter hinweg
Das ist der Grund, warum kaum jemand im Sommer ans Ausmisten denkt: Man ist einfach viel weniger drinnen. Man lebt auf dem Balkon, im Garten, im Freibad, unterwegs. Die vollgestopfte Ecke im Arbeitszimmer oder der Kleiderschrank, aus dem eh nur die drei gleichen T-Shirts rausgeholt werden, fallen kaum auf. Das Leben findet gerade woanders statt.
Das Problem: Die Unordnung verschwindet dadurch nicht. Sie wartet nur.

Der Herbst holt dich ein
Sobald es kälter wird, kippt das Bedürfnis. Man will es sich drinnen wieder gemütlich machen, Kerzen anzünden, unter der Decke sitzen. Und dann steht man plötzlich in genau dem Chaos, über das man sich im Sommer so leicht hinweggesehen hat. Nur dass das Gefühl jetzt ein anderes ist: Die Tage werden kürzer, die Energie sowieso schon weniger – und ausgerechnet jetzt fühlt sich die eigene Unordnung wieder viel dringlicher an.
Wer im Sommer Ordnung schafft, erspart sich genau diesen Moment im Herbst.
Nach dem Urlaub ist der Kopf sowieso auf Neuanfang eingestellt
Der Punkt, der am meisten unterschätzt wird, ist die Ordnung in Dokumenten. Aus meiner Arbeit kann ich dazu einiges erzählen.
Es gibt noch einen Grund, der ausgerechnet für die Zeit nach dem Urlaub spricht. Verhaltensforscher nennen ihn den „Fresh Start Effect“: An bestimmten Wendepunkten im Jahr steigt die Motivation für Veränderungen spürbar an. Der bekannteste dieser Momente ist der Jahreswechsel, daher die vielen Neujahrsvorsätze. Aber auch ein neuer Monat, ein Geburtstag oder eben die Rückkehr aus dem Urlaub funktionieren nach demselben Prinzip: Man kommt von woanders her, hat Abstand zum Alltag davor – und genau dieser Abstand macht es leichter, sich endlich an Dinge zu setzen, die man vorher ewig vor sich hergeschoben hat.
Der Ausmist-Impuls, den man kurz nach dem Urlaub manchmal spürt, ist also kein Zufall. Es lohnt sich, ihn zu nutzen, statt ihn wieder versanden zu lassen, sobald der Alltag einen wieder hat.

Kleine Portionen statt großes Projekt
Das heißt nicht, dass jetzt die Sommerferien fürs große Entrümpelungsprojekt draufgehen müssen. Im Gegenteil: 15 Minuten am Tag reichen. Das klingt nach wenig, summiert sich aber über einen Monat auf mehrere Stunden reine Ausmist-Zeit – oft mit mehr Wirkung als ein einziger kräftezehrender Kraftakt am Wochenende.
Und für die besonders heißen Tage, an denen man eh nicht draußen sein will: Nutz sie für den Keller. Dort ist es angenehm kühl, während draußen alle stöhnen. Zwei Stunden ausmisten fühlen sich dort deutlich angenehmer an als im Hochsommer aufgeheizten Dachboden im August.
Lieber eine Zone richtig als überall ein bisschen
Wichtiger als die Frage „wie lange“ ist die Frage „wo“. Wer sich vornimmt, heute überall ein bisschen aufzuräumen, hat am Ende oft das Gefühl, den ganzen Tag beschäftigt gewesen zu sein – aber nirgends wirklich fertig zu sein. Nichts sieht sichtbar besser aus.
Sinnvoller ist es, sich eine feste Zone vorzunehmen: eine Schublade, ein Regal, einen Kleiderschrank, eine Ecke im Keller. Diese Zone dann aber wirklich fertig machen. Der Effekt: Du siehst ein konkretes Ergebnis, und genau das motiviert, an der nächsten Zone weiterzumachen. Aus vielen kleinen, aber abgeschlossenen Bereichen wird am Ende mehr als aus einem großen, das nie richtig fertig wird.
Fazit
Ausmisten im Sommer fühlt sich erstmal nach der falschen Jahreszeit an. Ist es aber nicht. Wer jetzt in kleinen, gezielten Schritten Ordnung schafft, muss im Herbst nicht mit der eigenen Unordnung kämpfen, während gleichzeitig die Energie sowieso knapper wird. Du musst dafür weder die Sommerferien opfern noch an einem Strandtag zuhause bleiben. 15 Minuten täglich, eine Zone, fertig.

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Über die Autorin
Janina Soufi Siavash
Janina Soufi Siavash ist zertifizierte Ordnungscoachin (CFPO) und hilft Menschen dabei, in ihrem Zuhause eine Grundordnung zu schaffen. Dabei geht es nicht um Perfektion, sondern darum, durch Ordnung Entlastung im Alltag zu finden und sich in den eigenen vier Wänden wohl zu fühlen.


