2026 wird ordentlich! Oder auch nicht.
Warum gute Vorsätze oft nicht reichen.
Neues Jahr, neues Glück – und neue Vorsätze. Kaum ist der Silvesterabend vorbei, packt viele Menschen eine Welle der Motivation. Plötzlich scheint alles möglich: mehr Sport, gesünder essen, beruflich durchstarten, abnehmen – oder endlich mehr Ordnung in den eigenen vier Wänden schaffen. Auch ich spüre diesen Effekt jedes Jahr aufs Neue. Der Jahreswechsel hat etwas Magisches, er vermittelt das Gefühl eines Neustarts.

Wenn wir ehrlich sind: Wir könnten genauso gut an jedem beliebigen Tag im Jahr beginnen, unser Leben zu verändern. Der 1. Januar ist kein Zauberstab. Und genau hier liegt das Problem: Gute Vorsätze sind zwar ein schöner Impuls, doch sie reichen meistens nicht aus, um langfristig etwas zu verändern.
Warum Vorsätze oft scheitern
Zu viel auf einmal:
Viele Menschen nehmen sich gleich mehrere große Ziele vor. Wer vorher kaum Sport gemacht hat, will plötzlich dreimal pro Woche ins Fitnessstudio. Wer bisher Chaos im Haushalt hatte, möchte ab sofort jeden Tag aufräumen. Das klingt ambitioniert – und ist genau deshalb zum Scheitern verurteilt.
Die Realität holt uns ein:
Anfang Januar sind die Studios voll, die To-do-Listen lang. Doch schon nach wenigen Wochen kehrt der Alltag zurück. Die Couch ist bequemer als das Fitnessstudio, und die Unordnung wächst schneller, als man sie beseitigen kann.
Falsche Ursachenanalyse:
Ein Wochenplan zum Aufräumen mag auf den ersten Blick sinnvoll erscheinen. Aber wer bisher keine Routinen hatte, wird auch mit einem Plan scheitern. Denn Pläne sind nur Werkzeuge – sie lösen nicht das eigentliche Problem. Oft liegt es an fehlender Priorisierung, mangelnder Zeitplanung oder schlicht daran, dass Ordnung im Alltag keinen festen Platz hat.
Motivation ist wichtig – aber nicht alles.
Wer wirklich Ordnung schaffen will, muss tiefer schauen:
- Welche Routinen fehlen mir? Vielleicht ist es nicht das Aufräumen selbst, sondern die fehlende Gewohnheit, Dinge sofort wegzuräumen.
- Welche Prioritäten setze ich? Wenn Ordnung immer hinter Arbeit, Familie und Freizeit zurücksteht, bleibt sie ein ewiges „Morgen“.
- Welche Hindernisse blockieren mich? Manchmal sind es emotionale Gründe: Dinge loszulassen fällt schwer, weil Erinnerungen daran hängen.
Nur wer seine eigenen Chaos-Verursacher kennt, kann nachhaltige Veränderungen schaffen.

Ordnung Schritt für Schritt statt großer Sprünge
Realistisch bleiben: Statt die gesamte Wohnung in einer Woche umzukrempeln, lieber kleine Ziele setzen. Ein Regal ausmisten, eine Schublade sortieren, den Lebensmittelschrank durchschauen, jeden Abend fünf Minuten aufräumen. Kleine Schritte sind machbar – und sie summieren sich.
Gemeinsam geht’s leichter: Wer einen Partnerin hat, bleibt motivierter. Das kann eine Freundin sein, die parallel ihre Wohnung entrümpelt, oder ein professioneller Ordnungscoach, der den Prozess (phasenweise) begleitet. Gemeinsamkeit schafft Verbindlichkeit und man hat jemanden, der die Motivation hin und wieder sanft anstupst.
Routine statt Ausnahme: Ordnung darf kein Projekt sein, das nur im Januar läuft. Sie muss Teil des Alltags werden – wie Zähneputzen. Erst wenn das Aufräumen selbstverständlich wird, bleibt es dauerhaft bestehen.

Fazit: Vorsätze sind nur der Anfang
Neujahrsvorsätze sind wie ein Streichholz: Sie entzünden kurz ein helles Feuer, das schnell wieder erlischt. Damit daraus ein dauerhaftes Licht wird, braucht es mehr – nämlich realistische Ziele, Routinen und manchmal auch Unterstützung.
Ordnung entsteht nicht durch einen Kalender oder einen Plan, sondern durch konsequentes Handeln im Alltag. Wer Schritt für Schritt vorgeht, bleibt motiviert und schafft es, dass die Wohnung nicht nur im Januar ordentlich aussieht, sondern das ganze Jahr über.
Vielleicht ist das eigentliche Motto für 2026 nicht „Dieses Jahr wird ordentlich!“, sondern:
"Das Geheimnis des Erfolgs ist anzufangen."
– Mark Twain
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